Reifenwechsel selbst machen: Anleitung & Tipps
Wechsle deine Autoreifen selbst mit unserer einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitung. Spare Zeit und Geld, während du für deine Sicherheit sorgst.
Wie oft hörst du diese Frage: „Kann ich den Reifenwechsel selbst machen – und worauf muss ich wirklich achten?“ Ja, du kannst. Und wenn du die Handgriffe verstehst, wird aus der Pflicht ein präziser Routinejob. Ich begleite dich Schritt für Schritt – mit Blick auf Sicherheit, Drehmoment, Laufrichtung und RDKS.
Bevor wir starten, ein wichtiger Begriff: Streng genommen heißt es „Räderwechsel“ (komplette Räder mit Felge tauschen). Das Reifenwechseln (Reifen von der Felge abziehen/aufziehen) gehört in Fachhände mit Montiermaschine und Wuchtgerät. Hier geht’s um den Räderwechsel am Auto.
Vorbereitung: Ordnung schlägt Kraft
Stell dir den Wechsel wie vier kleine Werkbänke vor – an jeder Ecke deines Autos. Gute Vorbereitung erspart Kraftakte.
Das brauchst du:
- Wagenheber (passend zum Auto, am vorgesehenen Aufnahmepunkt ansetzen)
- Unterstellbock oder stabile Holzklotz-Alternative zur Absicherung
- Radkreuz oder Drehmomentschlüssel (für das endgültige Anziehen)
- Drahtbürste und Lappen (für die Radnabe)
- Kreide/Marker (Beschriftung der Räder)
- Optional: dünn Keramikpaste für die Nabenauflage (keine Schmierung an Gewinden/Auflageflächen der Schrauben!)
Sicherheits-Setup:
- Fester, ebener Untergrund; Getriebe in „P“ bzw. 1. Gang; Feststellbremse anziehen.
- Gegenüberliegendes Rad mit Keil sichern.
- Wagenheber an markiertem Hebepunkt ansetzen, sanft anheben und mit Unterstellbock absichern.
Profi-Vorgriff:
- Markiere vor dem Abnehmen jedes Rad mit Position (z. B. „VL“ = vorne links). So kannst du Rotation planen: vorn nach hinten ist gängig; bei richtungsgebundenen Reifen nur seitegleich tauschen. Immer auf Pfeile für Laufrichtung achten.
Schritt-für-Schritt: Das Rad in drei Akten
Stell dir einen sauberen Ablauf vor – wie ein kleiner Choreografie-Plan.
- Lösen am Boden
- Radschrauben/-muttern eine Viertelumdrehung über Kreuz lösen, solange das Rad noch steht. Keine Gewaltspitzen – ruhiger Druck.
- Anheben und Abnehmen
- Fahrzeug anheben, bis das Rad frei dreht.
- Schrauben vollständig herausdrehen und geordnet ablegen.
- Rad abnehmen. Klemmt es? Mit beiden Händen auf 3- und 9-Uhr-Position fassen und leicht „wippen“. Nicht gegen die Bremsscheibe schlagen.
- Vorbereiten und Montieren
- Radnabe: Rostkranz mit Drahtbürste entfernen, abwischen. Optional hauchdünn Keramikpaste auf die Nabenauflage. Keine Paste auf Radbolzen, Gewinde oder Konussitze!
- Prüfe das Rad: DOT-Code (Alter), Profiltiefe (mind. 1,6 mm, empfehlenswert > 3–4 mm), Schäden, Fremdkörper. Prüfe Laufrichtungspfeil.
- Rad auf die Nabe führen. Tipp: Unterkante auf Fuß abstellen, Rad mit dem Knie anheben und mit beiden Händen mittig aufsetzen. So triffst du die Zentrierung sauber.
- Schrauben handfest einsetzen, dabei das Rad leicht an die Nabe drücken. Nicht verkanten!
- Fahrzeug so weit absenken, dass das Rad satt aufsetzt, sich aber noch nicht verdreht.
- Mit dem Drehmomentschlüssel im Kreuzmuster auf das vorgeschriebene Anzugsdrehmoment anziehen. Danach vollständig ablassen.
Wiederhole die Choreografie an allen vier Ecken – immer gleich, immer ruhig.
Technik verstehen: Drehmoment, Zentrierung, Laufrichtung, RDKS
Warum so pedantisch? Weil jede dieser Stellen die Kraftkette zwischen Auto und Straße sichert.
Drehmoment: Es klemmt Rad und Nabe formschlüssig zusammen. Zu wenig? Schrauben können sich lösen. Zu viel? Gewinde und Konussitze leiden, spätere Demontage wird zur Zangengeburt. Das genaue Drehmoment steht im Handbuch (je nach Auto und Schrauben-Design sehr unterschiedlich).
Zentrierung: Viele Felgen zentrieren sich über das Nabenloch (Nabenzentrierung) mit ggf. Ringen. Ist hier Rost oder Schmutz, sitzt das Rad minimal schief – Folge können Lenkradvibrationen sein.
Laufrichtung: Richtungsgebundene Reifen haben Pfeile. Sie müssen mit dem Pfeil in Fahrtrichtung laufen, sonst verschlechtern sich Wasserverdrängung und Bremsweg auf Nässe.
RDKS (Reifendruckkontrollsystem):
- Indirekte Systeme (über ABS-Sensorik) kalibrierst du oft per Menü („Reifendruck speichern“), nachdem du den richtigen Druck eingestellt hast.
- Direkte Systeme (Sensor im Rad) werden meist automatisch erkannt, manchmal ist eine Neuanlernung im Bordmenü nötig. Lies das Handbuch – die Schritte unterscheiden sich deutlich.
Radschraube vs. Radmutter: Viele europäische Fahrzeuge haben Radschrauben (Schraube geht in die Nabe), andere Radmuttern (Muttern auf Radbolzen). Konus- oder Kugelbund müssen zum Felgentyp passen – niemals mischen.
Drehmoment-Notiz (Beispiel, immer Handbuch prüfen!)
- Kompakter PKW Stahlfelge: ~100–120 Nm
- Mittelklasse Alufelge: ~110–140 Nm
- SUV/Van: teils höher
Kreuzmuster: 1-3-5-2-4 (bei 5-Loch)
Nachziehen: nach 50–100 km mit Drehmomentschlüssel
Fehler vermeiden und clever nachkontrollieren
Hier trennt sich gute Praxis von Glückstreffern. Vermeide diese Klassiker:
- Fett auf Gewinden: Verfälscht das Drehmoment. Gewinde sauber und trocken montieren (sofern der Hersteller keine andere Vorgabe macht).
- Schlagschrauber bis Anschlag: Praktisch, aber riskant. Zum Lösen okay. Beim Festziehen nur zum Anlegen – das Endmoment immer mit Drehmomentschlüssel.
- Auflageflächen verschmutzt: Rost an der Nabenauflage erzeugt Planlauf-Fehler. Kurz bürsten, auswischen, fertig.
- Falsche Reihenfolge: Immer kreuzweise arbeiten, damit das Rad plan anliegt.
- Positionen vergessen: Ohne Markierung vertauschst du Räder chaotisch. Besser planvoll rotieren, um gleichmäßige Abnutzung zu fördern.
- Reifendruck ignoriert: Nach Montage Druck im kalten Zustand prüfen und auf Sollwert bringen (Türrahmen-Aufkleber/Handbuch). Vergiss das Ventilkappen-Check nicht.
Nachkontrolle – der „Uhrzeiger-Check“:
- Eine kurze Probefahrt (10–15 km, verschiedene Geschwindigkeiten). Achte auf Vibrationen, Ziehen, Geräusche.
- Nach 50–100 km: Radschrauben mit Drehmoment nachziehen. Das ist kein Misstrauen, sondern guter Stil – Felgensitze können sich minimal setzen.
- Prüfe nach einer Woche erneut den Reifendruck.
Bonus-Tipps für Langlebigkeit:
- Räder liegend lagern, nicht hochkant in Reihe, es sei denn sie hängen auf Felgenbäumen oder sind leicht belüftet.
- Kreide die Lagerposition und den Druck aufs Reifenbett. Beim nächsten Wechsel weißt du sofort, welcher Kandidat wohin gehört.
- Dokumentiere Profiltiefe (innen/mitte/außen). Unterschiedliche Werte können auf Sturz- oder Spur-Probleme hinweisen.
Kleine Checkliste zum Mitnehmen
- Auto sichern (Gang/P, Bremse, Keile)
- Radschrauben am Boden vorlösen
- Anheben, Unterstellbock setzen
- Nabenauflage reinigen, Laufrichtung prüfen
- Rad aufsetzen, Schrauben handfest
- Absenken, kreuzweise auf Soll-Drehmoment
- Reifendruck einstellen, RDKS anlernen/kalibrieren
- Probefahrt, nach 50–100 km nachziehen
Fazit: Mit System statt Muskelkraft
Wenn du den Räderwechsel als wiederholbare Abfolge begreifst, wird er sicher, schnell und sauber. Nimm dir Zeit für Nabenreinigung, korrektes Drehmoment und die Nachkontrolle – dann honorieren dich Fahrgefühl, Bremsweg und Reifenleben. Und beim nächsten Saisonwechsel läuft die Choreografie im Kopf schon wie von selbst.
Für viele Arbeiten am Auto sind ein paar Grundwerkzeuge fast immer hilfreich. Damit bist du für die meisten Checks gut ausgerüstet.
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für Fehlerspeicher & Live-Daten
Ratschen-Set
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Kreuz/Schlitz/Torx für Innenraum & Motor
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Fehler eingrenzen
Mit einem OBD2-Scanner kannst du den Fehlerspeicher in 2 Minuten auslesen.
Was benötige ich für einen sicheren Reifenwechsel?
Für einen sicheren Reifenwechsel benötigst du einen Wagenheber, einen Unterstellbock oder stabile Holzklötze, ein Radkreuz oder einen Drehmomentschlüssel, eine Drahtbürste und einen Lappen. Optional kannst du Keramikpaste für die Nabenauflage verwenden. Achte darauf, dass der Untergrund fest und eben ist und sichere das gegenüberliegende Rad mit einem Keil.
Wie gehe ich beim Reifenwechsel Schritt für Schritt vor?
Beginne damit, die Radschrauben am Boden über Kreuz zu lösen. Hebe das Fahrzeug an, bis das Rad frei dreht, und entferne die Schrauben. Reinige die Radnabe und prüfe das Rad auf Schäden und Profiltiefe. Setze das Rad auf die Nabe, ziehe die Schrauben handfest an und senke das Fahrzeug ab. Ziehe die Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel im Kreuzmuster fest.
Warum ist das richtige Drehmoment beim Reifenwechsel wichtig?
Das richtige Drehmoment sorgt dafür, dass Rad und Nabe formschlüssig zusammengehalten werden. Ist das Drehmoment zu gering, können sich die Schrauben lösen. Ist es zu hoch, können Gewinde und Konussitze beschädigt werden, was die spätere Demontage erschwert. Das genaue Drehmoment findest du im Handbuch deines Fahrzeugs.
Worauf muss ich bei der Laufrichtung von Reifen achten?
Bei richtungsgebundenen Reifen ist es wichtig, dass sie in der angegebenen Fahrtrichtung montiert werden. Dies wird durch Pfeile auf der Reifenflanke angezeigt. Eine falsche Laufrichtung kann die Wasserverdrängung und damit die Fahrsicherheit negativ beeinflussen. Achte beim Wechsel darauf, dass die Pfeile in die richtige Richtung zeigen.
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Reifenwechsel bei Alufelgen [TUTORIAL]
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