Radschrauben nachziehen: einfache Anleitung & Tipps
Erfahre, wie du Radschrauben nach dem Reifenwechsel sicher nachziehst. Unsere einfache Anleitung mit Tipps sorgt für ruhigen Lauf und maximale Sicherheit.
Du fährst montagmorgens zur Arbeit, am Wochenende hast du die Räder gewechselt. Nach ein paar Kilometern spürst du ein leichtes Zittern im Lenkrad – ganz fein, aber neu. Sofort schießt dir der Gedanke durch den Kopf: „Habe ich die Radschrauben richtig nachgezogen?“ Genau hier setzt dieser Guide an: verständlich, praxisnah und mit klaren Sicherheitsregeln.
Warum Nachziehen so wichtig ist
Nach einem Reifen- oder Felgenwechsel „setzt“ sich die Verbindung zwischen Rad, Nabe und Radschrauben. Lackreste an neuen Felgen, minimale Verschmutzungen an den Auflageflächen oder Temperaturwechsel können dazu führen, dass sich die anfänglich erreichte Klemmkraft etwas verringert. Das ist normal – und genau deshalb ist Nachziehen so entscheidend.
Aus meiner Werkstattpraxis: Ein Kunde kam mit einem Brummen bei Landstraßentempo. Ursache waren leicht gelockerte Radschrauben nach einem privaten Reifenwechsel. Nichts Dramatisches passiert – aber die Schraubenlöcher der Felge begannen bereits auszuschlagen. Frühzeitiges, korrektes Nachziehen hätte das verhindert. Sicher angezogene Schrauben sorgen für:
- ruhigen Lauf ohne Vibrationen
- geschützte Felgenlöcher und Radnaben
- maximale Sicherheit gegen Radverlust
Kurz gesagt: Nachziehen ist ein kleiner Handgriff mit großer Wirkung.
Vorbereitung: Werkzeug, Platz und Check
Bevor du loslegst, sorge für einen sicheren Arbeitsplatz und das richtige Werkzeug. Du brauchst:
- Drehmomentschlüssel mit passender Nuss (meist 17, 19 oder 21 mm – prüfe deine Radschrauben)
- Handschuhe und nach Möglichkeit Schutzbrille
- Radzierkappen-Haken oder einen flachen Kunststoffhebel (falls Abdeckkappen montiert sind)
- Fahrzeughandbuch oder Herstellerangaben für das exakte Anzugsdrehmoment
- optional: Kreide/Marker für Kontrollmarkierungen und Unterlegkeile
So bereitest du dich vor:
- Stelle das Auto auf einen ebenen, festen Untergrund. Motor aus, Parkbremse fest anziehen, bei Schaltgetriebe den ersten Gang einlegen (bei Automatik auf „P“). Das Fahrzeug bleibt zum Nachziehen auf dem Boden – nicht anheben.
- Entferne Radkappen/Abdeckungen behutsam. Sind die Schraubenköpfe verschmutzt, kurz trocken säubern, damit die Nuss sauber greift.
- Lies das vorgeschriebene Drehmoment im Handbuch oder in den Herstellerunterlagen ab. Nur so triffst du die richtige Einstellung am Drehmomentschlüssel. Keine Schätzungen!
Schritt-für-Schritt: So ziehst du Radschrauben richtig nach
Wichtig ist die kreuzweise Reihenfolge. Damit verteilst du die Klemmkraft gleichmäßig und vermeidest, dass die Felge schief anliegt.
- Stelle den Schlüssel genau auf das vom Hersteller angegebene Drehmoment ein. Arretiere die Einstellung (falls möglich), damit sie sich nicht verstellt.
- Fahrzeug sichern
- Auto steht fest, Parkbremse angezogen, Gang drin/„P“ gewählt. Nutze optional Unterlegkeile an der gegenüberliegenden Seite.
- Schrauben kreuzweise anziehen
- Setze die Nuss gerade auf, führe den Schlüssel mit beiden Händen und ziehe ohne Rucken an, bis der Schlüssel auslöst. Kein Nachdrücken nach dem Klick.
- Arbeite in Sternform (5-Loch) oder über Kreuz (4-Loch). Für 5-Loch kann dir diese Reihenfolge helfen:
5-Loch “Stern”:
Schraube 1 → 3 → 5 → 2 → 4
4-Loch “Kreuz”:
Schraube 1 → 3 → 2 → 4
- Zweite Kontrollrunde
- Gehe nach der ersten Runde die gleiche Reihenfolge noch einmal durch. So stellst du sicher, dass sich nichts nachgesetzt hat.
- Alle vier Räder prüfen
- Wiederhole den Vorgang an allen Rädern. Nimm dir Zeit, Präzision schlägt Tempo.
- Nachkontrolle nach Fahrt
- Nach einem kurzen Probelauf prüfe nach rund 50 km erneut. Gerade nach Rad- oder Felgenwechsel ist das Pflicht.
Profi-Tipp: Setze kleine Markierungen zwischen Schraubenkopf und Felge. So erkennst du auf einen Blick, ob sich etwas bewegt hat.
Kurze Checkliste zum Abhaken:
[ ] Fahrzeug steht sicher (Bremse, Gang/P)
[ ] Drehmomentangabe gelesen und eingestellt
[ ] Reihenfolge: kreuzweise / Stern
[ ] Keine Gewalt, kein “Nachdrücken nach Klick”
[ ] Zweite Runde zur Kontrolle
[ ] Nach ~50 km erneut prüfen
Sicherheitshinweise
Räder sind sicherheitsrelevant. Behandle jede Schraube mit derselben Sorgfalt wie eine Bremse. Beachte unbedingt:
- Verwende für das Endanziehen ausschließlich einen Drehmomentschlüssel. Schlagschrauber oder Rohrverlängerungen führen leicht zu Überzug – das schwächt Gewinde, Bolzen und Felge.
- Keine Schmierstoffe auf Gewinden, Sitzen oder Auflageflächen verwenden – außer der Fahrzeughersteller schreibt es ausdrücklich vor. Fette/Öle verändern die Reibung und damit das effektive Drehmoment.
- Sitzt eine Schraube schwammig, knackt ungewöhnlich oder lässt sich nicht auf Soll-Drehmoment bringen: sofort stoppen. Nicht „einfach fester“ anziehen – es könnte ein defektes Gewinde, ein gelängter Bolzen oder Schmutz zwischen Felge und Nabe vorliegen. In diesem Fall zur Fachwerkstatt.
- Achte auf saubere Auflageflächen (Felgenmitte und Radauflage). Grober Rost oder Anhaftungen gehören fachgerecht entfernt. Keine groben Feilen/Schleifer verwenden, die die Planfläche beschädigen könnten.
- Bei Diebstahlsicherungen (Spezialschraube): passenden Schlüssel bereithalten, sauber ansetzen, keinesfalls verkanten.
Typische Fehler aus der Praxis – und wie du sie vermeidest:
- Unterschiedliche Drehmomente an einer Felge: führe immer eine zweite Runde durch.
- Nach dem Winterwechsel nicht nachkontrolliert: plane die 50-km-Nachprüfung direkt ein (z. B. als Erinnerung im Handy).
- Schrauben vertauscht: Nutze nur die zum Fahrzeug passenden Radschrauben/Radmuttern mit korrekter Länge und Sitzform (Infos im Handbuch).
Bei Unsicherheit empfehlen wir den Besuch einer Fachwerkstatt. Sicherheit geht vor – immer.
Fazit
Radschrauben nachziehen ist kein Hexenwerk – wenn du es systematisch und mit Drehmomentschlüssel machst. Sichere Aufstellung, korrekte Reihenfolge, exaktes Drehmoment und eine Nachkontrolle nach etwa 50 Kilometern: So bleibt die Rad-Felgen-Verbindung stabil, Vibrationen bleiben aus und du bist sicher unterwegs. Wenn etwas nicht passt oder du Zweifel hast: kurz in die Werkstatt – das ist die klügere Abkürzung.
Für viele Arbeiten am Auto sind ein paar Grundwerkzeuge fast immer hilfreich. Damit bist du für die meisten Checks gut ausgerüstet.
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Warum ist es wichtig, Radschrauben nachzuziehen?
Radschrauben nachzuziehen ist entscheidend, um die Klemmkraft zwischen Rad, Nabe und Schrauben zu gewährleisten. Nach einem Reifenwechsel können sich diese Verbindungen setzen, was zu einer Verringerung der Klemmkraft führt. Ein korrektes Nachziehen verhindert Vibrationen und schützt die Felgenlöcher sowie Radnaben vor Schäden.
Wie bereite ich mich auf das Nachziehen der Radschrauben vor?
Sorge für einen sicheren Arbeitsplatz und das richtige Werkzeug, wie einen Drehmomentschlüssel und passende Nuss. Stelle das Fahrzeug auf einen ebenen Untergrund, ziehe die Parkbremse an und lege bei Schaltgetrieben den ersten Gang ein. Lies das vorgeschriebene Drehmoment im Handbuch ab, um die richtige Einstellung am Drehmomentschlüssel zu treffen.
Wann sollte ich die Radschrauben nach einem Reifenwechsel überprüfen?
Nach einem Reifenwechsel sollten die Radschrauben nach etwa 50 Kilometern Fahrt erneut überprüft werden. Dies stellt sicher, dass sich die Schrauben nicht gelockert haben und die Klemmkraft weiterhin optimal ist. Diese Nachkontrolle ist besonders wichtig, um maximale Sicherheit zu gewährleisten.
Womit kann ich überprüfen, ob sich Radschrauben gelockert haben?
Kleine Markierungen zwischen Schraubenkopf und Felge helfen, Bewegungen zu erkennen. Diese Markierungen zeigen auf einen Blick, ob sich die Schrauben gelockert haben. Bei einer Nachkontrolle nach etwa 50 Kilometern Fahrt können diese Markierungen hilfreich sein, um Veränderungen schnell zu identifizieren.
Weiterführende Hilfe
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