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P0720 Abtriebsdrehzahl Sensor: Diagnose & Lösung

6 Min. Lesezeit
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Aktualisiert: 26.05.2026

Erfahre, wie du den P0720-Fehlercode diagnostizierst und behebst. Unser Guide führt dich durch Symptome, Ursachen und Reparaturschritte für dein Getriebe.

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Viele verwechseln P0720 mit einem ABS-Problem. Tatsächlich sitzt der betroffene Abtriebsdrehzahlsensor im Getriebe – er liefert die Geschwindigkeit des Getriebeabtriebs, nach der Steuergeräte Schaltzeitpunkte und Drehmomentmanagement ausrichten. Fällt er aus, wird das Getriebe „blind“.

Wenn du technisch versiert bist, kannst du die Ursache strukturiert eingrenzen. Dieser Guide führt dich von den Symptomen über die Live-Daten bis zur Reparatur – mit klaren Sicherheitsgrenzen.

Was bedeutet P0720 beim Auto?

Der OBD-Code P0720 signalisiert eine Störung im Abtriebsdrehzahlsensor-Kreis (engl. Output Speed Sensor, OSS). Das Steuergerät erkennt dabei keine oder unplausible Signale vom Sensor an der Getriebeausgangswelle.

Wissen, was gemessen wird:

  • Hall-Sensor (3-polig): 5-V-Versorgung, Masse, Signal. Liefert ein rechteckiges Digitalsignal (High/Low) proportional zur Abtriebsdrehzahl.
  • Induktiver Sensor (2-polig): erzeugt eine sinusförmige AC-Spannung; Amplitude steigt mit der Drehzahl.

Wozu nutzt das Auto das Signal?

  • Schaltdruck und Schaltzeitpunkte im Automatikgetriebe
  • Plausibilisierung von Fahrzeuggeschwindigkeit (VSS)
  • Überwachung von Schlupf zwischen Eingangs- und Abtriebsseite

Fehlt das Signal, schalten viele Fahrzeuge in den Notlauf, die Schaltqualität leidet – im Extrem steht der Tacho.

Symptome und erste Checks

Typische Anzeichen:

  • Ruckelige oder verspätete Schaltvorgänge, Notlauf (nur 2.–3. Gang)
  • Geschwindigkeitsanzeige fällt aus oder springt
  • Motorkontrolllampe und ggf. Getriebe-Warnmeldung
  • Verwandte Codes: P0722 (kein Signal), P0721 (Bereich/Leistung), P0715/P0717 (Eingangsdrehzahl), CAN-/Spannungsfehler

Schnelle Vorprüfung (5–10 Minuten):

  • Fehlerspeicher auslesen und Freeze-Frame sichern (Geschwindigkeit, Motordrehzahl, ATF-Temperatur)
  • Sichtkontrolle: Kabelstrang am Getriebe (nahe Abgasanlage) auf Scheuern, Ölbad, Korrosion prüfen
  • ATF-Zustand: stark verbrannt oder mit Metallglanz deutet auf internes Problem hin
  • Prüfe, ob der Tacho über Radimpulse oder über den Getriebeausgang gespeist wird (fahrzeugabhängig); das hilft bei der Eingrenzung
  • Technische Servicehinweise (TSB) für dein Modell recherchieren – häufig existieren Updates für TCM/PCM-Software

Diagnose in der Praxis: Schritt für Schritt

Voraussetzungen & Ausrüstung:

  • OBD-II-Scanner mit Live-Daten und idealerweise Aufzeichnung
  • Multimeter, optional Oszilloskop (empfohlen)
  • Back-Probe-Pins, Kontaktspray, Kontaktreiniger
  • Steck- und Torx-Satz, Auffahrrampen/Unterstellböcke, Ölauffangwanne
  • Sicherheitsausrüstung: Schutzhandschuhe, Schutzbrille, standsichere Abstützung
  1. Live-Daten prüfen
- Zündung EIN, Motor an, sichere Probefahrt.
- Beobachte: OSS (Output Speed), ISS (Input Speed), VSS, Gang, ATF-Temp.
- Plausibilität: 
  * Bei konstanter Fahrt sollte OSS mit Fahrzeugtempo stabil steigen.
  * ISS ≈ Motordrehzahl / Übersetzungsverhältnis.
  * OSS ≈ Raddrehzahl × Achsübersetzung.
- Wenn OSS = 0 bei klarer Bewegung: Sensor/Kabel/TCM.
- Wenn OSS springt/aussetzt: Wackelkontakt oder Reluktorring beschädigt.
  1. Steckverbinder & Spannungsversorgung
  • Zündung AUS, Batterie-Minus ggf. abklemmen. Stecker am Sensor lösen, Pins auf grünen Belag/Öl prüfen, reinigen und korrekt verrasten.
  • Hall-Sensor: Zündung EIN (Batterie anklemmen), am Sensorstecker (Rückseite back-proben) müssen ca. 5 V Referenz und Masse anliegen. Fehlt die 5-V-Schiene: Kabelbruch oder Kurzschluss im Strang.
  • Induktiver Sensor: Bei stehendem Fahrzeug keine Versorgung – Messung folgt dynamisch.
  1. Sensor elektrisch prüfen
Hall (3-polig):
- Widerstand zwischen 5V und Masse nicht kurzgeschlossen (>kΩ-Bereich).
- Signal gegen Masse mit Oszilloskop: Rechteck, 0–5 V, Frequenz steigt mit Drehzahl.

Induktiv (2-polig):
- Sensor ausgesteckt: Widerstand typ. 500–1500 Ω (Herstellerangabe prüfen).
- Rad drehen oder Getriebeausgang bewegen: Oszilloskop zeigt Sinus; AC-Spannung nimmt mit Tempo zu.

Kein oder deformiertes Signal? Sensor defekt oder Reluktorrad (Zahnkranz) beschädigt/verschmutzt.

  1. Mechanik checken
  • Sensor oft magnetisch: Ist er mit Metallspänen bedeckt, sorgfältig reinigen. Starker Abrieb + P0720 weist auf internes Getriebeproblem hin.
  • Mit Endoskop/Spiegel den Zahnkranz inspizieren: gebrochene, verbogene oder fehlende Zähne führen zu Aussetzern.
  1. Reparaturentscheidungen
  • Kabelreparatur: Scheuerstellen auslöten/verlängern, Schrumpfschlauch nutzen, Kabelweg vor Hitze/Schwingung schützen.
  • Sensor ersetzen: O-Ring leicht ölen, Sitzfläche reinigen, Sensor gerade einsetzen. Schraube mit Herstellervorgabe anziehen (Drehmoment im Werkstatthandbuch nachschlagen). Ölverlust vermeiden.
  • Software & Adaption: Nach Sensor-/TCM-Arbeiten Adaptionen zurücksetzen und ggf. Schaltstrategie neu anlernen (fahrzeugspezifischer Ablauf im Diagnosegerät).
  • ATF-Service: Ist das Öl stark gealtert, Wechsel inkl. Filter erwägen. Frisches ATF kann das Signalrauschen reduzieren – löst aber keine mechanischen Schäden.
  1. Verifizieren
  • Code löschen, Warmlauf abwarten. Straßentest unter verschiedenen Lasten. Live die Kurven von OSS/ISS/VSS aufzeichnen. Kein neues Setzen des Codes, sauberes Signal: Reparatur erfolgreich.

Wann zur Fachwerkstatt?

  • Metallischer Glitzer im ATF, reluktorrad beschädigt, wiederkehrende Aussetzer trotz neuem Sensor, fehlende 5-V-Referenz auch nach Leitungsprüfung, oder notwendige Software-/Adaptionsarbeiten ohne geeignetes Gerät. Bei Unsicherheit empfehlen wir den Besuch einer Fachwerkstatt.

Sicherheitshinweise und Grenzen des DIY

  • Arbeiten am Fahrzeugunterboden nur mit tragfähigen Unterstellböcken, niemals allein auf Wagenheber verlassen.
  • ATF kann sehr heiß sein: Verbrennungsgefahr. Vor dem Lösen des Sensors Motor abkühlen lassen und Ölauffangwanne bereithalten.
  • Elektrik: Zündung ausschalten, Batterie-Minus abklemmen, bevor du Stecker intensiv reinigst oder Kabel reparierst. Keine improvisierten Überbrückungen im 5-V-Referenznetz.
  • Drehende Teile: Keine Messungen an rotierenden Wellen oder Rädern mit losen Kleidungsstücken. Fahrzeug gegen Wegrollen sichern.
  • Probefahrt: Nur, wenn das Getriebe berechenbar schaltet. Andernfalls Transport zur Werkstatt organisieren.
  • Pflicht-Disclaimer: Bei Unsicherheit empfehlen wir den Besuch einer Fachwerkstatt.

Fazit

P0720 bedeutet nicht „ABS kaputt“, sondern fehlende oder fehlerhafte Information vom Abtriebsdrehzahlsensor. Mit Live-Daten, sauberer Leitungsprüfung und einem Blick auf Sensor sowie Reluktorring lässt sich die Ursache oft eindeutig bestimmen. Häufig genügen Kabelsanierung oder ein neuer Sensor; bei Metallabrieb oder beschädigten Zahnringen ist die Werkstatt gefragt. Systematisch vorgehen, sicher arbeiten – dann bleibt das Getriebe nicht länger „blind“.

Diese Tools helfen dir bei der Fehlersuche sofort

Für die folgenden Schritte helfen dir besonders diese Werkzeuge:

Getriebeöl-Einfüllgerät– sauberer Ölwechsel
Produkt prüfen
OBD-Scanner mit Getriebediagnose– Schaltprobleme erkennen
Preis prüfen
Kupplungswerkzeug– Kupplung zentrieren
Verfügbarkeit prüfen
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Fehler eingrenzen

Mit einem OBD2-Scanner kannst du den Fehlerspeicher in 2 Minuten auslesen.

Kann teuer werden?

Wenn sich abzeichnet, dass die Reparatur ins Geld geht, lohnt sich ein kurzer Versicherungsvergleich.

Vergleichen
Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet der Fehlercode P0720 beim Auto?

Der Fehlercode P0720 weist auf ein Problem mit dem Abtriebsdrehzahlsensor hin, der im Getriebe sitzt. Das Steuergerät erhält keine oder unplausible Signale vom Sensor, was die Schaltzeitpunkte und das Drehmomentmanagement beeinträchtigen kann.

Wie kann man die Symptome eines defekten Abtriebsdrehzahlsensors erkennen?

Typische Symptome sind ruckelige oder verspätete Schaltvorgänge und der Ausfall der Geschwindigkeitsanzeige. Auch die Motorkontrolllampe kann aufleuchten, und das Fahrzeug kann in den Notlauf schalten, was die Schaltqualität beeinträchtigt.

Warum ist der Abtriebsdrehzahlsensor wichtig für das Fahrzeug?

Der Abtriebsdrehzahlsensor liefert wichtige Daten für die Steuergeräte, um Schaltzeitpunkte und Drehmomentmanagement zu optimieren. Ohne diese Informationen kann das Getriebe nicht korrekt arbeiten, was zu Problemen wie Notlauf und schlechter Schaltqualität führt.

Wie kann man einen defekten Abtriebsdrehzahlsensor diagnostizieren?

Die Diagnose erfolgt durch Auslesen des Fehlerspeichers und Überprüfung der Live-Daten mit einem OBD-II-Scanner. Sichtkontrollen der Kabel und Steckverbindungen sowie elektrische Prüfungen des Sensors sind ebenfalls notwendig, um die genaue Ursache zu ermitteln.

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Horst empfiehlt für die Diagnose

Fehlercodes auslesen und das Problem gezielt eingrenzen.

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