Autor: HorstHilft.de-Redaktion
Verstehe die Werte deines Bremsenprüfstands und triff kluge Entscheidungen für mehr Sicherheit. Lerne, wie du Bremskraft und Abweichungen richtig deutest
Du bremst und das Auto zieht leicht zur Seite? Das Pedal pulsiert oder fühlt sich mal weich, mal hart an? Vielleicht steht auch die Hauptuntersuchung an und du willst wissen, was die Zahlen vom Bremsenprüfstand bedeuten. Gute Idee. Wer die Anzeige lesen kann, versteht sein Auto – und trifft kluge Entscheidungen.
Ich führe dich durch die Anzeige eines Rollenprüfstands, übersetze Fachbegriffe in Klartext und zeige an Beispielen, wie du die Werte deutest. Dabei gilt: Sicherheit vor Tempo – wenn etwas unklar ist, geh zur Werkstatt.
Ein Rollenprüfstand hat zwei Walzen je Rad. Beim Bremsen messen Sensoren die Bremskraft jedes Rads. Auf der Anzeige siehst du in der Regel:
- Links/Rechts (daN oder kN): Bremskraft je Rad. 1 daN entspricht ungefähr 1 kg Zug-/Druckkraft. - Summe/Total pro Achse: Addition beider Radkräfte einer Achse. - Seitenabweichung (%): Unterschied links zu rechts auf der Achse. - Schwankung/Ovalität (%): Gleichmäßigkeit der Kraft während einer Radumdrehung. - Parkbremse: Kräfte der Feststellbremse hinten (bei vielen Autos kombiniert: Scheibe + Trommeln im Topf). - Achslast/Abbremsverhältnis: Einige Prüfstände errechnen eine Bremswirkung in % aus gemessener Achslast und Bremskraft.
Wichtig: Grenzwerte unterscheiden sich je nach Land/Prüforganisation. Als grobe Orientierung gilt für die Seitenabweichung einer Achse oft ein Bereich um 25 % als Obergrenze – aber verbindlich ist, was der Prüfer bzw. die lokale Vorschrift vorgibt.
Voraussetzungen und Vorbereitung:
- Fahrzeug technisch sicher, Reifen in gutem Zustand, Radmuttern korrekt angezogen. - Reifendruck prüfen (gleicher Druck links/rechts je Achse). - Bremsen kurz „anwärmen“: 10–15 Minuten normal fahren, kein extremes Bremsen. - Lose Beladung im Fahrzeug sichern oder entfernen; Tanksituation notieren.
Benötigte Ausrüstung (für die eigene Kontrolle und Dokumentation):
- Schutzhandschuhe, festes Schuhwerk, Schutzbrille. - Taschenlampe, Kreide zum Markieren, Notizblock/Smartphone für Werte. - Optional: Infrarot-Thermometer zum Vergleich der Scheibentemperaturen nach dem Test.
Durchführung am Rollenprüfstand (immer den Gerätehinweisen folgen):
1. Gerade auf die Rollen fahren, Vorderräder mittig ausrichten. Motor im Leerlauf/Neutral, Fußbremse griffbereit, Hände am Lenkrad. 2. Die Rollen starten (wird meist vom Bediener ausgelöst). Bremsen gleichmäßig und stetig betätigen, nicht ruckartig. ABS darf kurz arbeiten, muss aber nicht dauerhaft eingreifen. 3. Anzeige ablesen: Spitzenwerte der linken und rechten Bremskraft pro Achse notieren, ebenso Seitenabweichung und Schwankung. 4. Hinterachse testen; bei Allradfahrzeugen nur mit dafür ausgelegtem Prüfstand/Modus messen (4x4-Betrieb). Sonst Gefahr von Antriebs- oder ABS-Schäden. 5. Parkbremse separat prüfen: Rollen laufen, Parkbremse progressiv anziehen, Spitzenkräfte je Rad notieren.
Tipp aus der Praxis: Nach dem Test nur kurz anhalten, aussteigen und die Temperatur der Bremsscheiben links/rechts einer Achse vergleichen (mit IR-Thermometer oder vorsichtig Hand in Nähe halten – nicht berühren!). Spürbare Unterschiede stützen die Diagnose.
So berechnest du die Seitenabweichung einer Achse:
`` Links = 210 daN Rechts = 250 daN Seitenabweichung (%) = |210 - 250| / max(210, 250) * 100 = 16,0 % ``
So wird die Bremswirkung in % (vereinfacht) hergeleitet, wenn Achslast bekannt ist:
`` Achse: Summe Bremskräfte = 460 daN Gemessene Achslast = 900 daN Bremswirkung (%) = 460 / 900 * 100 = 51,1 % ``
Die Schwankung/Ovalität zeigt die Gleichmäßigkeit der Kraft während einer Umdrehung:
- Beispiel: Schwankung 35 % vorn rechts → deutet oft auf Seitenschlag oder Dickenvariation der Scheibe hin.
Bei der Parkbremse zählt Symmetrie wichtiger als absolute Höhe. Große Unterschiede links/rechts verraten oft ungleich eingestellte oder festgegammelte Mechanik.
- Hohe Kräfte beider Räder + kleine Abweichung = gute Achsbremsung. - Geringe Kräfte beider Räder = systemisches Problem (Hydraulik/Beläge) oder falsche Pedalbetätigung. - Große Abweichung = einseitiges Problem (Führung, Kolben, Belag, Scheibe, Schlauch).
1) Große Seitenabweichung (z. B. 35 %): - Mögliche Ursachen: festgehender Schwimmsattel, schwergängige Führungsbolzen, verglaste Beläge, verschlissene oder ungleichmäßig dicke Scheiben, aufgeblähter Bremsschlauch. - Dein Next Step: Sichtprüfung auf ungleichmäßigen Abrieb, Leichtgängigkeit der Sättel prüfen, Gleitstellen reinigen/freigängig machen lassen. Bei Zweifel: Werkstatt.
2) Niedrige Bremskräfte beider Räder einer Achse: - Ursachen: falsche Pedaltechnik beim Test (zu zaghaft), Hydraulikproblem (z. B. Luft im System, alter Bremsflüssigkeit), Unterdruckunterstützung schwach, verglaste Beläge. - Next Step: Bremsflüssigkeitsstand und Wechselintervall checken, Pedaltest wiederholen (gleichmäßig, kräftig). Persistiert der Mangel: Fachprüfung der Hydraulik.
3) Hohe Schwankung/Ovalität: - Ursachen: Seitenschlag oder Dickenvariation der Scheibe, Rostränder, Belagablagerungen (Hotspots). - Next Step: Scheiben auf Riefen/Ränder checken, Nabenauflageflächen prüfen, ggf. Scheiben/Beläge paarweise erneuern lassen.
4) Parkbremse schwach oder einseitig: - Ursachen: gelängte/korrodierte Seile, festgegammelte Umlenkhebel, abgenutzte Trommelbeläge im Scheibentopf, falsche Grundeinstellung. - Next Step: Mechanik gangbar machen, Seile/Einsteller prüfen, Beläge erneuern und korrekt einarbeiten.
5) Allrad-Fahrzeug zeigt seltsame Werte oder blockiert: - Ursache: falscher Prüfmodus. Manche Systeme brauchen 4x4-Rollen oder einen synchronen Modus. - Next Step: Nur auf geeignetem Prüfstand testen lassen; Antriebs- und ABS-Schäden vermeiden.
Praxis-Plus: Notiere Werte mit Datum und Kilometerstand. Veränderungen über die Zeit verraten schleichende Probleme, lange bevor es kritisch wird.
- Bremsen sind sicherheitskritisch. Arbeiten an Sätteln, Leitungen, Scheiben/Belägen erfordern Fachkenntnis. Bei Unsicherheit empfehlen wir den Besuch einer Fachwerkstatt. - Auf dem Prüfstand gilt: nicht aussteigen, solange die Rollen laufen; keine Körperteile in Rollennähe bringen; klare Zeichen mit dem Bediener absprechen. - Keine Improvisation an der Hydraulik (Entlüften, Leitungen, Dichtungen) ohne passendes Werkzeug und Verfahren. - Allradfahrzeuge nur im richtigen Prüfmodus testen. Falsche Prüfung kann Antrieb/ABS beschädigen.
Wer den Bremsenprüfstand lesen kann, trifft bessere Entscheidungen: Du erkennst, ob nur eine Feinjustierung der Parkbremse nötig ist oder ob ein festsitzender Sattel schnell in die Werkstatt gehört. Notiere die Werte, vergleiche links/rechts und achte auf die Schwankung. Und ganz wichtig: Sicherheit geht vor – wenn Zweifel bleiben, lass einen Fachbetrieb prüfen und reparieren.
Ein Bremsenprüfstand ist ein Gerät, das die Bremskraft jedes Rads eines Fahrzeugs misst. Er besteht aus zwei Walzen je Rad, auf denen das Fahrzeug steht. Beim Bremsen erfassen Sensoren die Bremskraft, die dann auf einer Anzeige dargestellt wird. Diese Messung hilft, die Bremsleistung und eventuelle Ungleichheiten zwischen den Rädern zu erkennen.
Die Seitenabweichung wird berechnet, indem die Differenz der Bremskräfte zwischen den linken und rechten Rädern einer Achse ermittelt wird. Diese Differenz wird durch die größere der beiden Kräfte geteilt und mit 100 multipliziert, um den Prozentsatz zu erhalten. Eine hohe Seitenabweichung kann auf ein Problem mit der Bremsanlage hinweisen.
Das Anwärmen der Bremsen vor einem Test sorgt für realistische Messbedingungen. Kalte Bremsen können ungleichmäßige oder ungenaue Ergebnisse liefern, da die Bremsbeläge und Scheiben bei Betriebstemperatur anders reagieren. Eine kurze Fahrt von 10–15 Minuten hilft, die Bremsen auf die richtige Temperatur zu bringen.
Beim Einsatz eines Bremsenprüfstands sollten Schutzhandschuhe, festes Schuhwerk und eine Schutzbrille getragen werden. Das Fahrzeug muss technisch sicher sein, und der Reifendruck sollte gleichmäßig sein. Zudem ist es wichtig, die Anweisungen des Prüfstands genau zu befolgen, um Schäden am Fahrzeug zu vermeiden.